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Die Küste von Tukums

Beschreibung

Lapmežciems, Ragaciems, Plieņciems, Engure und Bērzciems sind Orte, an denen Filme gedreht wurden, die entweder dem Meer gewidmet sind oder vor dem Hintergrund des Meeres spielen. Die Bekanntesten sind: „Zvejnieka dēls“ (Fischersohn) (1939/1940 und 1957), „Nauris“ (1957), „Svešiniece ciemā“ (Eine Fremde im Dorf) (1958).), „Vētra“ (Storm) (1960.), „Nāves ēnā“ (Im Schatten des Todes) (1971) und „Ilgais ceļš kāpās“ (Der lange Weg in Dünen) (1981). In dieser Gegend wurden auch der Kurzfilm „Vanadziņš“ (Habichtlein) (1972), die musikalische Komödie „Lielais dzintars“ (Der große Bernstein) (1972), der Märchenfilm „Sprīdītis“ (Däumling) (1985), „Ipolits“ (2002) und mehrere TV-Serien gedreht.

Der 1939 vom Regisseuren Vilis Jānis Lapenieks (1908–1983) nach Romanmotiven von Vilis Lācis (1904–1966) gedrehte Film „Zvejnieka dēls“ (Fischersohn) ist einer der beliebtesten lettischen Kunstfilme aller Zeiten. In seinem Zentrum steht Oskars, der Sohn des Fischers Kļava, der sich weder dem Familiendiktat noch dem Leben der Fischer mehr unterwerfen will. Er hat Ideen und setzt sie auch um: von der Unabhängigkeit aller Fischer vom Abnehmer, von der Einrichtung eines Eiskellers und von der Gründung einer Fischergenossenschaft. Im Film gibt es Liebe, Verrat, ausdrucksvolle Fischertypen und ganz schön viele „Ohrwürmer“ – von Jānis Mediņš (1890–1966) komponierte Musik. Er schrieb das Lied „Jūra krāc un vēji pūš“ (Das Meer schnarcht und die Winde wehen) speziell für den Opernsänger Rūdolfs Bērziņš (1881–1949). Dieser Hit von Jānis Mediņš wurde später von jedem Fischer in der Rigaer Bucht und jedem Spießbürger

in den Rigaer Kneipen belkantiert, aber damals kannten es vollständig nur das Dorf Plieņi und Rūdolfs Bērziņš.

Durch diesen Film ist die Düne von Lapmežciems, die Anita mit ihrem Amulett – einem Schaummann – um den Hals hochstieg, für die Geschichte erhalten geblieben. Die Dreharbeiten fanden auch in Ragaciems, Plieņciems, Ķekava, Vecāķi, Buļļuciems, Pape, Nide und anderen Orten statt. Der Film wurde im Winter 1940 in den Rigaer Kinos „Splendid Palace“ und „Daina“ gezeigt, vor denen sich sehr lange Schlangen bildeten. In zwei Monaten schauten sich ihn ca. 250.000 Zuschauer in ganz Lettland an. In Kaunas wurde aus „Zvejnieka dēls“ (Fischersohn) eine staatliche Demonstration der Freundschaft zwischen Litauen und Lettland. Gleich großen Erfolg erzielte der Film auch in Estland, Finnland und Tschechien.

„Zvejnieka dēls“ wurde während der Sowjetzeit wiederholt aufgenommen. Der Regisseur war Varis Krūmiņš (1931-2004), und für die Rolle von Oskars wurde unter mehreren Kandidaten Eduards Pāvuls gewählt. Die Dreharbeiten begannen im August 1956 und fanden in Klapkalnciems, Ragaciems, Plieņciems und Engure statt, die kurländischen Wälder und Seen wurden aber in der Umgebung von Cēsis und in der Nähe des Āraiši-Sees gedreht. So wurde etwa in Ragaciems die Kneipenszene gedreht, in den Massenszenen sieht man wiederum viele Einwohner von Klapkalnciems und in Bigauņciems, im Kieferntal hinter den Dünen, wurde ein Zimmer aufgebaut, das aus der Perspektive des Drehens wie ein echtes Haus aussah. Vor diesem Hintergrund wurde die zufällige Begegnung von Oskars und Anita auf dem Weg nach Hause aufgenommen. Die Szene wurde mehrfach gedreht, so dass sich die Frauen und Kinder von Bigauņciems immer noch an die Dreharbeiten erinnern.

Auch der Film „Svešiniece ciemā“ (Die Fremde im Dorf) (Regie A. Neretniece) erzählt vom Leben der Fischer. In diesem Film erlebte Gunārs Cilinskis (1931–1992) sein Debüt als Schauspieler in der Rolle von Fischer Jānis. Die Fremde – die junge Frau von Jānis – wurde von Vija Artmane (1929–2008) gespielt. Im Zentrum des Films steht der Fischer Jānis, der mit seiner jungen Frau Elza in sein altes Dorf zurückkehrt, wobei nicht einmal sein Vater oder seine Mutter davon Bescheid wissen. Es stellt sich heraus, dass die junge Frau auch noch die Leiterin der Fischfabrik ist. Elza wird weder von der Familie ihres Mannes noch von der Dorfbevölkerung freundlich aufgenommen. Nur mit Geduld und Beharrlichkeit gelingt es Elza, die Liebe der Eltern ihres Mannes zu gewinnen und die Arbeit der Fabrik zu verbessern.

Der Film wurde in Lapmežciems gedreht. Eine Szene öffnet den Blick auf das Dorf und die Brücke seitens des Meers. Die im Film gezeigte Konservenfabrik ist eigentlich der Fischbetrieb von Klapkalnciems. Der Film zeigt die Hände der Arbeiterinnen und die Gesichter der Schauspielerinnen. Die Premiere des Films fand im 1957 eröffneten neuen Kulturhaus von Lapmežciems statt.

Im Zentrum des Films „Nauris“ steht die Geschichte über Nauris, der mit seiner kleinen Schwester und seinem Großvater Upmalis (Luijs Šmits, 1907-1985) in einem kleinen Dorf am Meer lebt. Nauris erfährt vom Diebstahl in der Schule, den sein Großvater zusammen mit Lazdāns (Bernhards Priedītis) verübt hat. Um seinen Großvater zu verteidigen, bringt Nauris das gestohlene Gut heimlich in die Schule zurück, wodurch er selbst nun verdächtigt wird. Die Schulkommilitonen von Nauris verteidigen ihn.

Während der Dreharbeiten führte der Schauspieler Haralds Ritenbergs, der die Rolle von Nauris spielte, alle Tricks selbst aus: drehte Salto, ritt auf dem Pferd und begegnete dem Zug. Die Selbstmordszene wurde am Bahnhof Sigulda gedreht. Die Szene, in der die Mauer gesprengt wurde, wurde in Bigauņciems gefilmt. Eigentlich war die im Film gezeigte große Mauer ein kleines Fundamentstück eines alten Baus. Vom Schauspieler H. Ritenbergs, der die Rolle von Nauris spielte, schwärmten viele junge Mädchen, und während der Dreharbeiten sollen die schwärmenden Mädchen, von ihren Müttern in warmer Kleidung eingepackt, viel Zeit am Drehort verbracht haben.

Der Schauspielerfilm „Vētra“ (Storm) wurde 1960 nach dem gleichnamigen Roman, 1. Buch, von V. Lācis gedreht. Regie führten Rolands Kalniņš (1922) und V. Krūmiņš, die Hauptrollen übernahmen V. Artmane und V. Zandbergs. Der Film handelt von der Tätigkeit des kommunistischen Untergrunds in den Jahren 1939 und 1940, dem Sturz der lettischen Regierung und der Freilassung politischer Gefangener. Als ein romantischer Faden zieht sich durch den Film die Liebe zwischen der Schauspielerin Māra Vilde und Kārlis Žuburis. Die Meeresszenen des Films wurden in Lapmežciems am Fluss Siliņupe gedreht. Dort wurde die schöne Kurve, die der Weg vor der Brücke nimmt, gedreht – von der Seite der Lapmežciems-Landstraße gesehen. Im Film fand dort das Treffen der Untergrundaktivisten statt – an den sogenannten Zante-Kiefern („Sant“ kommt aus der livischen Sprache und heißt „der Arme“), und entlang dieser Straße raste auf seinem Motorrad der Funktechniker (Ansis Kreicbergs), mit den hellen Haaren in aller Winde verweht. Obwohl der Titel des Films „Sturm“ lautet, rief er bei den Zuschauern keinen Sturm hervor.

1971 wurde im Rigaer Filmstudio der Film „Nāves ēnā“ (Im Schatten des Todes) gedreht. Der Film basiert auf der gleichnamigen Erzählung von Rūdolfs Blaumanis (1863–1908). Der Hauptregisseur war Gunārs Piesis (1931–1996), für den es der zweite Schauspielerfilm war. Als Darsteller für die führenden Rollen wurden die Schauspieler Eduards Pāvuls, Alfrēds Videnieks, Gunārs Cilinskis, Ģirts Jakovļevs, Kārlis Sebris, Vaironis Jakāns u. a. gewählt. Im Zentrum der Handlung stehen Fischer, die zu lange auf einer Eisscholle bleiben und ins Meer getrieben werden. Wenn ein Boot schließlich erscheint, stellt sich heraus, dass nicht alle einen Platz darin haben. Jemand muss zurückbleiben und sterben...

Die Dreharbeiten waren sehr schwierig, weil man sich auf die Nutzung der natürlichen Eisschollen nicht verlassen konnte. So wurde im Fischerdorf eine riesige Plattform aus Planken gebaut, die mit Plastikharz beschichtet wurde, um den Eindruck von Schnee und Eis zu erzeugen. Das Meer fror erst Ende Februar zu, und die Dreharbeiten dauerten noch bis Mai an. Gedreht wurde in Lapmežciems, Ragaciems, Bērzciems. Die Aufnahmen mit dem künstlichen Eis wurden am Fluss Starpiņupe gemacht. Lange Zeit erinnerte sich noch die lokale Bevölkerung an die künstlichen Eisschollen, die an der Meeresküste herumlagen.

Sowohl die erwachsenen als auch die kleinen Einwohner von Lapmežciems waren an den Dreharbeiten beteiligt. Im kleinen Saal des Kulturhauses waren die Kostüme für die Dreharbeiten untergebracht, und dort fand auch die ganze Umkleide für das Filmen statt. Die Kleidung wurde auch von den hiesigen Einwohnern gegeben, so habe Pēteris Legzdiņš seinen Pelzmantel, den er nicht mochte, abgegeben (seine Frau habe sich darüber aber gar nicht gefreut). Die Rolle des Kindes, das den Unfall meldete und alle zusammenrief, spielte der Schüler Dainis Pētersons. Den Esten, der die verunglückten Fischer rettete und ihnen sagen musste, dass nur fünf an Bord gehen können, spielte Otomārs Kalpiņš, der Kommilitone von E. Pāvuls aus der gemeinsamen Zeit bei der Armee. Es wurde auch vom Leuchtturm in Ragaciems gedreht, dessen Wächter damals Helmuts Lūsis war.

1972 wurde der Kurzfilm „Vanadziņš“ (Habichtlein) nach der gleichnamigen Erzählung von V. Lācis gedreht. Die Hauptfiguren des Films sind der kleine Junge Vanadziņš (Ainārs Gailis) und sein Vater (Daumants Milgrāvis). Der Film handelt von einem kleinen Jungen, den sein Vater Vanadziņš, was Habichtlein bedeutet, nannte, und seinem Vater, einem Fischer. Während sein Vater auf See war, blieb der Junge allein mit der Katze zu Hause, die 

beide abends ans Meer gingen, um auf den zurückkehrenden Vater zu warten, jedoch eines Abends kam sein Vater nicht mehr. Der Film wurde im unweit der Landstraße gelegenen Landhaus „Stiebri“ (auch „Rungaiņi“ genannt) in Lapmežciems, auf der Waldseite vom Haus gedreht.

1972 wurden in Lapmežciems noch Szenen für die zweiteilige musikalische Komödie „Lielais dzintars“ (Der große Bernstein) gedreht, die im Auftrag des Zentralfernsehens der UdSSR im Rigaer Filmstudio entstand. Die Regie führte A. Brenčs. Im Zentrum des Geschehens der Komödie ist ein Musikerensemble, das aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen für den Flug nicht rechtzeitig zum Liederwettbewerb in Riga ankommen konnte. Niemand wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet, die jungen Musiker waren aber dermaßen von ihren Aussichten auf Sieg überzeugt, dass sie alles Mögliche machten, um alle Jurymitglieder zu einer erneuten Anhörung zusammenzubringen. Die ganzen Bemühungen wurden durch die Eifersucht der Ensemblesolistin Maiga auf die Jurysekretärin Žermēna Pavlovna erschwert, die Arvīds, dem Verlobten von Maiga, sowie dem restlichen Ensemble aktiv bei der Suche nach ihren Kollegen unterstützte. Durch die Aufteilung in zwei Gruppen schafften sie es, sowohl in Sigulda als auch beim Tanzwettbewerb und beim Fischerfest dabei zu sein. Die Szenen aus diesen Festen wurden in Lapmežciems gefilmt. An der Handlung waren ebenfalls Dainis Bušs, der Vorstandsvorsitzende des Fischerkolchos „Selga“, und Ilgonis Bumburs, der Vorstandsvorsitzende des Fischerkolchos „Uzvara“, beteiligt, die sich während der Festlichkeiten gegenseitig einen großen Lachs überreichten. Nach dem Drehbuch sollte aus dem Meer ein großer Wal kommen, was dann auch so geschah (auch dieser lag noch lange Zeit an der Küste herum).

An der Küste wurden auch viele Passagen aus dem Film „Ilgais ceļš kāpās“ (Der lange Weg in Dünen) unter der Regie von Aloizs Brenčs gedreht. Die meisten Erinnerungen an diesen Film haben wohl die Einwohner von Lapmežciems, da hier viele Episoden des Films entstanden. Das Haus, in dem der Gemeindeälteste Jēkabs Ozols (E. Pāvuls) wohnte, befand sich in Ragaciems, hier wurden auch der Fischverarbeitungsbetrieb, das Verbrennen der Boote und die Ballszene gefilmt. An der Entstehung des Films war wohl die Hälfte der Dorfeinwohner beteiligt. Schauspieler seien öfter in denselben Soldatenkostümen durch die Gegend gelaufen, was bei manch einem Einwohner für eine gewisse Aufregung sorgte. In die Rollen der Soldaten versetzten sich die Jungs der Tanzgruppe von Lapmežciems ein.

Einzelne Szenen wurden auch in Bigauņciems gedreht, der Zank zwischen Artūrs und den Verteidigern wurde in Apšuciems aufgenommen. Die Hochzeitsszene wurde in Lapmežciems, im Landhaus „Ķesteri“ gefilmt. Die Rollen des Brautpaares spielten Pauls Butkēvičs und Ruta Vītiņa, die Rolle der Brautführerin wurde der Leiterin des Kulturhauses Lapmežciems Ligita Balode zugeteilt. Sie erinnert sich daran, dass sie an dem Tag eigentlich frei hatte, zu Hause ihre Wäsche machte, dann wurde sie plötzlich von A. Brenčs angerufen, der sie zum Drehort kommen, ein Kostüm wählen und paar „Mienen“ ziehen ließ. So lehnte sich Ligita gegen eine Kiefer, während die Maskenbildnerin sie schminkte. Der Regisseur fand sie gut und ließ sie die Rolle der Brautführerin übernehmen. Die Hochzeitsszenen wurden zwei Tage lang gedreht, die Tische waren draußen aufgestellt, in den Flaschen befand sich für die Teilnehmer der Massenszenen bloß nur Wasser. Auf der Hochzeit tanzten sämtliche Teilnehmer der Massenszenen. Für die Dreharbeiten erhielt jeder sieben Rubel pro Tag. Als die ersten beiden Teile gedreht waren, wurden sie im Kulturhaus Lapmežciems gezeigt. Das Interesse der Zuschauer war riesig.

1985 wurde der Märchenfilm „Sprīdītis“ (Däumling) aufgenommen. Das Haus des alten Knausers wurde in Lapmežciems gedreht, dafür wählte man ein verfallenes Gebäude gegenüber dem Landhaus „Laivenieki“ aus.

Von den neueren Filmen entstand 2002 in Ragaciems der Film „Ipolits“ von Jānis Streičs. Die Darsteller waren Katrīna Pasternaka (1957), Juris Kalniņš (1952), Artis Robežnieks (1970) und Viktorija Streiča (1979). Der Film war ein Familiendrama, dessen Handlung sich um ein Liebesdreieck drehte: zwischen Mutter, Tochter und Schwiegersohn. Im Zusammenhang mit dem entstehenden Film schrieb die Journalistin Tekla Šaitere damals: „... als ich in Ragaciems ankam, um das Material für die Zeitung vorzubereiten, schaffte ich es nicht, mit Juris und Katrīna am Set nur einen Satz auszutauschen, da sich eine Gewitterwolke näherte. Man musste sich beeilen, um die Episode fertig zu kriegen. Schließlich hatten diese Dreharbeiten nichts von der gemütlichen Zeitverschwendung, die so typisch für die Filmemacher in der Sowjetzeit war. Die Atmosphäre auf dem Set – im Innenhof unter der Eiche – war angespannt, und manchmal schwankte die Stimmung der Gruppe auf der Grenze zwischen verzweifelten Tränen und schrecklicher Wut.“ Die Dreharbeiten dauerten von neun bis neun, da dafür nur fünf Tage zur Verfügung standen.

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