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10/11/2021

Was Denkmäler am Lāčplēsis-Tag erzählen

Am 11. November 1919 feierten lettische Soldaten den Sieg über Bermondt-Armee. Es war der erste bedeutende militärische Sieg für Lettland und seine Verbündeten, der die faktische und rechtliche Anerkennung Lettlands als unabhängiger Staat sicherstellte. Daher werden jedes Jahr am 11. November – dem Lāčplēsis-Tag – in Lettland diejenigen geehrt, die für die Freiheit und Unabhängigkeit unseres Landes gekämpft haben.

Der Lāčplēsis-Tag wird gewönlich mit feierlichen Gottesdiensten, Blumenniederlegung, Fackelumzügen und Konzerten gefeiert, um den Gefallenen zu gedenken und sich an die historischen Ereignisse der Geschichte zu erinnern. Wir bieten kurze Erzählungen über den Brüderfriedhof (Brāļu kapi) und Denkmäler in Tukums und Umgebung, die den Gefallenen im Ersten Weltkrieg gewidmet sind, denn selten weißt man die Idee eines Bildhauers: Mit welchem Gedanken hat er das oder andere Gestalt an dem Erinnerungsort geschaffen und welche Botschaft er damit uns ausrichten wollte.

Denkmal des Bildhauers K. Zemdega und Brüderfriedhof (Brāļu kapi) im Waldfriedhof (Meža kapi) in Tukums

Der Brüderfriedhof auf dem Waldfriedhof in Tukums wurde im Herbst 1928 angelegt und am 4. November 1928 eingeweiht. Dort wurden nach einem Urteil eines deutschen Besatzungskriegsgerichts 1916 erschossene Zivilisten und Militärs beigesetzt. Anfangs wurden sie hinter einem Kieshügel begraben, bis 1928 wurden sie umgebettet, um einige andere lettische Soldaten beizusetzen, die im Ersten Weltkrieg und im Kampf gegen Bermondt-Armee gefallen waren. Insgesamt wurden hier 44 gefallene Soldaten beigesetzt.

Am 19. Mai 1940 wurde auf dem Friedhof unter Beteiligung von Vertretern der Regierung und der Armee ein Denkmal des Bildhauers Kārlis Zemdega mit dem Namen “Schütze” enthüllt. Das Bild des Denkmals soll “ein junger Soldat, fast ein Junge mit einem Gewehr in der Hand sein, der seinem Volk die Treue schwört”. So versuchte der Bildhauer die Einfachheit, Reinheit der Seele und Würde des Soldaten zu zeigen.

Im Sockel des Denkmals liest man Reihen: “Dieses Land ist unserem Volk ein heiliges Erbe / und gesegnet ist, wer für das Land fällt.”

Das Denkmal wurde vom Armeepfarrer P. Apkalns unter Beteiligung des Propstes des Bezirks Tukums A. Virbulis und des Pfarrers A. Volbergs geweiht. Das Friedhofstor wurde von Erdmanis nach Skizze des Bildhauers K. Zemdega angefertigt, die Stützen aber von Tukums Steinmetz A. Dūte. Die Errichtung des Denkmals kostete 8000 Lats (Währung in der Lettischen Republik, bevor Euro).

Neben dem Brüderfriedhof und dem Denkmal des Bildhauers K. Zemdega wurden im Jahr 2019 4 Stelen mit den Namen von 51 Rittern des Lāčplēsis-Kriegsordens aufgestellt, die mit dem Bezirk Tukums verbunden gewesen sind. Granitstelen wurden im Rahmen des Projekts “Atceries Lāčplēšus” zum 100-jährigen Jubiläum des lettischen Staates geschaffen, um die in den lettischen Freiheitskämpfen gefallenen Soldaten zu ehren. Der Autor der Stelen ist der Künstler Jānis Strupulis.

Denkmal des Bildhauers K. Zemdega in Džūkste für die Söhne der Gemeinden Džūkste und Slampe, die im Ersten Weltkrieg und im lettischen Befreiungskrieg gefallen sind

Am 17. November 1935 wurde im Zentrum von Džūkste den Söhnen der Gemeinden Džūkste und Slampe, die im Ersten Weltkrieg und im lettischen Befreiungskrieg gefallen sind, ein Denkmal des Bildhauers Kārlis Zemdega enthüllt. Es wurde aus hellgrauem finnischem Granit gefertigt.

Zur Idee des Denkmals schrieb K. Zemdega Folgendes: “Schon bevor ich den Auftrag erhielt, hatte ich diese Idee. Jede Tragödie wird immer von zwei Symbolen begleitet: Ruhm (für den Sieg) und Schmerz (über Verlust). Das Denkmal von Džūkste (im engeren Sinne) symbolisiert ein Gefäß, in dem symbolisch die Asche den gefallenen Soldaten von Džūkste gesammelt wird. Für diese heilige Asche, die während des Weltkriegs und des Befreiungskampfes an verschiedenen Fronten verstreut ist, und Soldaten, deren Gräber niemand kennt oder besuchen kann, wollte ich hier in meiner Heimat eine kleine Granitschale hauen und hochheben.

Ich schmückte Granitschale mit den Sternen, denn aus diesem kleinen Granitgefäß muss sich unser Ruhm über den Alltag erheben können. Unten die Frau, die sich in Schmerzen für die Gefallenen nieder beugt, aber das obere Bild möchte den Ruhm ausdrücken, den die Gefallenen erlangt haben. Es hat keinen echten Speer in der Hand, sondern eine Flamme, denn ich möchte den Sieg des geistigen Kampfes betonen. Was der nachdenkliche Blick in die Ferne bedeutet, – überlasse ich es jedem, nach dem Gefühl zu übersetzen.”

Auf der Vorderseite des Denkmals sind folgende Worte eingraviert: “Für die Söhne der Gemeinde Džūkste, die im Weltkrieg und im Lettischen Befreiungskrieg gefallen sind – Pfarre Džūkste, Gemeinde Džūkste und Slampe.” Das Denkmal wurde mithilfe von Spenden der Einwohner von Džūkste und Slampe errichtet und kostete 10.000 Lats.

Denkmal des Bildhauers K. Zāle und Brüderfriedhof (Brāļu kapi) in Smārde

In den Jahren 1915–1917 befand sich die Frontlinie nicht weit von Smārde. Im Herbst 1916 haben Teile der lettischen Schützen in der Nähe von Smārde mehrere Schlachten gewonnen. Die Kämpfe fanden oft nachts im Wald oder in den morastigen Sümpfen Smārde statt und forderten viele Opfer. Die Gefallenen wurden dort begraben, wodurch ein unwillkürlicher, unaufgeräumter und ungepflegter Schützenfriedhof entstand; bis 1931 die Zweigstelle des Brüderfriedhofskomitees in Smārde die Asche von 38 gefallenen Soldaten von verschiedenen Orten sammelte und den Brüderfriedhof in der Nähe des Bahnhofs Smārde einrichtete.

Der Bildhauer Kārlis Zāle wurde mit der Erstellung des Denkmals beauftragt. Die Fundamente des Denkmals wurden am 8. Mai 1935 gelegt, aber das Denkmal wurde am 21. Juni 1936 enthüllt.

Das Denkmal ist in Travertin gehauen, und in seinem Relief wurde ein allegorisches Bild geschaffen – ein Schütze ist mit einem Gewehr in den Händen in Stacheldraht gefallen. Nach der Idee des Bildhauers drückt es die Zähigkeit und das Pflichtbewusstsein der lettischen Schützen aus. Der Text “In Erinnerung an die alten lettischen Schützen und die Nationalarmee” ist in einer pergamentförmigen Formation über dem Bild eingraviert, während die Worte von R. Bērziņš auf der Rückseite des Denkmals eingraviert sind: “Obwohl der Held im Halbschlaf liegt, er lebt in seinem Volk. Nach großen Söhnen die Leute fragen ewig.“

Das Denkmal in Smārde wurde mit Unterstützung der Spenden der öffentlichen Organisation Smārde und des Brüderfriedhofskomitees errichtet. Es hat 5.000 Lats gekostet.

Lasst uns Kerzen anzünden!

1988 wurde die Tradition des Kerzenanzündens auf dem Brüderfriedhof, auf dem vor 100 Jahren gefallene Soldaten begraben wurden, begonnen. Früher, am 11. November, wurden Kerzen auch in den Fenstern der Häuser angezündet, damit wurde nicht nur an die Bedeutung historischer Ereignisse erinnert, sondern auch an den symbolischen Sieg des Lichts über die Dunkelheit. Im Laufe der Zeit hat diese Tradition an Bedeutung verloren, aber dieses Jahr möchten wir die Menschen einladen, den Lāčplēsis-Tag wieder zu Hause zu feiern.

Aufgrund der Maßnahmen zur Reduzierung des Risikos von COVID-19 und der Pandemie wurde beschlossen, auch in diesem Jahr den traditionellen Fackelzug in Tukums abzusagen. Stattdessen sind die Bewohner von Tukums eingeladen, am Abend des 11. Novembers Kerzen auf den Veranden und Fenstern den Häusern anzuzünden. Wir laden Sie ein, wenn Sie mit Ihrer Familie unterwegs sind oder eine kleine Urlaubsreise oder einen Ausflug zu Orten unternehmen, an denen die Denkmäler für die Opfer des Ersten Weltkriegs stehen, an diesen Denkmälern Kerzen anzuzünden.